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TestAS · Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften

Geschichte: Übungs-Testlets für den TestAS

Historische Texte und Quellen: Chronologie, Ursachen und Folgen und wie zuverlässig eine Quelle ist.

testas.de nennt dieses Thema für das Fachmodul Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften. Im Test kommt es als Testlet: ein kurzer Text, eine Tabelle oder Formel, danach 4 bis 8 Fragen, die du daraus beantwortest.

Themenliste: testas.de

Zwei Übungs-Testlets

Vollständige Testlets in Prüfungslänge aus dem Kollego-Kurs, erzeugt wie unsere Probetests. Antworte aus dem Material und öffne dann jede Lösung.

Testlet 1

Eine mittelalterliche Urkunde lesen: die Magna Carta

Die Magna Carta (lateinisch für „Große Urkunde“) wurde im Juni 1215 von König Johann von England in Runnymede bei Windsor gewährt. Johann hatte die meisten seiner Gebiete in Frankreich verloren, zur Finanzierung seiner Kriege hohe Steuern erhoben und sich mit der Kirche überworfen, und eine große Gruppe von Baronen, den mächtigsten Grundbesitzern, hatte sich gegen ihn erhoben. Die Urkunde war ein Friedensabkommen, in dem der König versprach, eine lange Liste von Rechten und Gewohnheiten zu achten, die meisten davon zugunsten der Barone, der Kirche und der Stadt London.

Eine ihrer Klauseln, oft als Nummer 39 gezählt, wird heute am häufigsten zitiert. Sinngemäß besagt sie, dass kein freier Mann verhaftet, eingekerkert, enteignet, geächtet, verbannt oder auf andere Weise zugrunde gerichtet werden darf und der König nicht gegen ihn vorgehen wird, außer durch das rechtmäßige Urteil seiner Standesgenossen oder nach dem Recht des Landes. Eine andere Klausel versprach, dass Recht nicht verkauft, verweigert oder verzögert werde.

Kurzfristig scheiterte die Urkunde. Johann hatte nicht vor, sie einzuhalten, und bat nach wenigen Wochen Papst Innozenz III., sie für ungültig zu erklären, was dieser im August 1215 tat. Es folgte ein Bürgerkrieg. Nach Johanns Tod 1216 gab jedoch die Regierung seines jungen Sohnes Heinrich III. eine überarbeitete Fassung heraus, und 1217 und 1225 folgten weitere Fassungen. Die Urkunde von 1225 wurde Teil des englischen Rechts, und einige ihrer Klauseln gelten bis heute.

In den folgenden Jahrhunderten erhielt die Magna Carta eine Bedeutung weit über ihren ursprünglichen Zweck hinaus. Im 17. Jahrhundert stellten englische Juristen, die sich den Stuart-Königen widersetzten, sie als alte Garantie der Freiheiten aller Engländer dar. Amerikanische Kolonisten beriefen sich später auf sie, und sie beeinflusste die Idee des ordentlichen Verfahrens (due process) in der Verfassung der Vereinigten Staaten. Heute wird sie oft als Gründungsdokument des Rechtsstaats und der Menschenrechte angeführt.

Wer eine solche Quelle analysiert, fragt, um welche Art von Dokument es sich handelt, wer es für wen verfasste, unter welchen Umständen und zu welchem Zweck, und was es für die Zeitgenossen bedeutete. Dabei muss man Anachronismen vermeiden, also den Fehler, spätere Vorstellungen in einen älteren Text hineinzulesen. 1215 schloss „freier Mann“ die Mehrheit der Bevölkerung aus, die unfreien Bauern (Hörige), die an ihre Herren gebunden waren.

Wichtige Angaben zur Quelle
AspektInformation
ArtKönigliche Urkunde (rechtliche Vereinbarung), auf Latein verfasst
Datum und OrtJuni 1215, Runnymede
BeteiligteKönig Johann und aufständische Barone
SchicksalVom Papst im August 1215 für ungültig erklärt; neu ausgestellt 1216, 1217, 1225
  1. 1. Warum wurde die Magna Carta 1215 gewährt?

    • aUm in England die Demokratie einzuführen
    • bUm alle Bauern von ihren Herren zu befreien
    • cUm einen Aufstand der Barone zu beenden
    • dUm das englische Parlament zu gründen
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    C: Um einen Aufstand der Barone zu beenden

    Sie war ein Friedensabkommen mit aufständischen Baronen.

  2. 2. Wen schützte Klausel 39 im Jahr 1215?

    • aNur den König und seine Familie
    • bAlle Einwohner Englands einschließlich aller Bauern
    • cNur die Geistlichen der Kirche
    • dFreie Männer, also nicht die unfreien Bauern
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    D: Freie Männer, also nicht die unfreien Bauern

    Hörige waren keine freien Männer.

  3. 3. Was geschah kurz nach der Gewährung mit der Urkunde?

    • aDer Papst erklärte sie auf Wunsch des Königs für ungültig
    • bDie Barone zerrissen sie und zogen ab
    • cSie wurde für das Volk ins Englische übersetzt
    • dSie wurde sofort von allen Seiten anerkannt
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    A: Der Papst erklärte sie auf Wunsch des Königs für ungültig

    Im August 1215 für ungültig erklärt.

  4. 4. Welche Deutung der Magna Carta wäre anachronistisch?

    • aDass sie später in überarbeiteten Fassungen neu ausgestellt wurde
    • bDass sie 1215 allen Menschen gleiche Rechte garantierte
    • cDass sie ein Friedensabkommen mit aufständischen Baronen war
    • dDass sie die Macht des Königs gegenüber den Baronen begrenzte
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    B: Dass sie 1215 allen Menschen gleiche Rechte garantierte

    Sie liest moderne Vorstellungen in den ursprünglichen Text hinein.

  5. 5. Für welche Frage ist die Urkunde eine Primärquelle?

    • aWas die Barone 1215 vom König forderten
    • bWas Juristen im 17. Jahrhundert über die Stuarts dachten
    • cWie Bauern im England des 13. Jahrhunderts lebten
    • dWie die Verfassung der USA entworfen wurde
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    A: Was die Barone 1215 vom König forderten

    Sie hält die 1215 vereinbarten Bedingungen fest.

  6. 6. Warum ist die Urkunde heute noch berühmt?

    • aSie gab jedem Engländer das Wahlrecht bei Parlamentswahlen
    • bSie beendete die Macht der englischen Monarchie
    • cSpätere Generationen deuteten sie als Grundlage von Freiheit und Rechtsstaat
    • dSie gilt seit 1215 unverändert
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    C: Spätere Generationen deuteten sie als Grundlage von Freiheit und Rechtsstaat

    Ihre Bedeutung wuchs durch spätere Umdeutung.

Testlet 2

Warum brach der Erste Weltkrieg aus?

Historiker unterscheiden verschiedene Arten von Ursachen. Langfristige Ursachen sind Bedingungen, die sich über Jahre oder Jahrzehnte entwickelten und ein Ereignis möglich oder wahrscheinlich machten. Kurzfristige Ursachen sind Entwicklungen unmittelbar vor dem Ereignis. Ein Auslöser oder Anlass ist der konkrete Vorfall, der die Ereignisse in Gang setzte. Historiker fragen auch, welche Ursachen notwendig waren, ohne die das Ereignis also nicht eingetreten wäre, und ob das Ergebnis auf bewusste Entscheidungen zurückging oder auf Strukturen, die den Handlungsspielraum Einzelner begrenzten.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 ist ein klassisches Beispiel. Als langfristige Ursachen nennen Historiker das Bündnissystem, das Europa in zwei Blöcke teilte, den Dreibund aus Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien und die Triple Entente aus Frankreich, Russland und Großbritannien; das Wettrüsten, vor allem die Flottenrivalität zwischen Deutschland und Großbritannien; den imperialen Wettbewerb um Kolonien und Einfluss; und den Nationalismus, besonders auf dem Balkan, wo der Niedergang der osmanischen Macht rivalisierende Staaten und Nationalbewegungen hinterließ. Auch die militärische Planung spielte eine Rolle: Der deutsche Schlieffen-Plan sah einen schnellen Angriff auf Frankreich durch Belgien vor, bevor man sich gegen Russland wandte; das machte es schwer, einen Konflikt mit Russland zu begrenzen.

Der Auslöser war das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand, den Thronfolger Österreich-Ungarns, und seine Frau in Sarajevo am 28. Juni 1914 durch Gavrilo Princip, einen jungen bosnisch-serbischen Nationalisten. In den folgenden Wochen, der Julikrise, machten Entscheidungen in Wien, Berlin, St. Petersburg, Paris und London aus einem regionalen Konflikt einen europäischen Krieg. Deutschland sicherte Österreich-Ungarn seine Unterstützung zu; Österreich-Ungarn stellte Serbien ein Ultimatum, das kaum annehmbar sein sollte; und Mobilmachungen folgten aufeinander.

Die Frage der Verantwortung ist seither umstritten. Der Versailler Vertrag von 1919 wies Deutschland und seinen Verbündeten die Verantwortung zu. In den 1960er-Jahren argumentierte der deutsche Historiker Fritz Fischer, die deutsche Führung habe weitreichende Kriegsziele verfolgt und den Krieg bewusst riskiert. Andere, etwa Christopher Clark in „Die Schlafwandler“ (2012), betonen, dass die Führungen mehrerer Großmächte zu einer Katastrophe beitrugen, die keine von ihnen ganz vorhersah.

Ereignisse des Jahres 1914
DatumEreignis
28. JuniAttentat in Sarajevo
23. JuliÖsterreichisch-ungarisches Ultimatum an Serbien
28. JuliÖsterreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg
30. JuliRussland ordnet die Generalmobilmachung an
1. AugustDeutschland erklärt Russland den Krieg
3. AugustDeutschland erklärt Frankreich den Krieg
4. AugustDeutsche Truppen marschieren in Belgien ein; Großbritannien erklärt Deutschland den Krieg
  1. 1. Welche dieser Ursachen ist eine langfristige Ursache des Krieges?

    • aDas Attentat auf den Thronfolger in Sarajevo am 28. Juni
    • bDas Flottenwettrüsten zwischen Deutschland und Großbritannien
    • cDas österreichisch-ungarische Ultimatum vom 23. Juli
    • dDie britische Kriegserklärung vom 4. August
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    B: Das Flottenwettrüsten zwischen Deutschland und Großbritannien

    Es entwickelte sich über viele Jahre.

  2. 2. Was war der Auslöser des Krieges?

    • aDie deutsche Einigung 1871
    • bDer Niedergang der osmanischen Macht
    • cDas Bündnissystem als Ganzes mit seinen zwei Blöcken
    • dDas Attentat auf Franz Ferdinand
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    D: Das Attentat auf Franz Ferdinand

    Der konkrete Vorfall, der die Ereignisse in Gang setzte.

  3. 3. Wie viele Tage lagen zwischen dem Attentat und der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien?

    • a30 Tage
    • b25 Tage
    • c28 Tage
    • d37 Tage
    Lösung anzeigen

    A: 30 Tage

    28. Juni bis 28. Juli.

  4. 4. Warum machte die deutsche Militärplanung einen begrenzten Krieg unwahrscheinlich?

    • aSie setzte darauf, dass Italien allein gegen Frankreich kämpft
    • bSie war nur für einen Krieg auf dem Balkan gedacht
    • cSie verlangte einen Angriff auf Frankreich, bevor man sich gegen Russland wandte
    • dSie verbot jeden Angriff auf Frankreich durch das neutrale Belgien
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    C: Sie verlangte einen Angriff auf Frankreich, bevor man sich gegen Russland wandte

    Der Schlieffen-Plan verknüpfte jeden Krieg mit Russland mit einem Krieg gegen Frankreich.

  5. 5. Welches Ereignis ging dem britischen Kriegseintritt unmittelbar voraus?

    • aDas Attentat in Sarajevo
    • bDer Einmarsch deutscher Truppen in Belgien
    • cDie russische Generalmobilmachung gegen Österreich-Ungarn
    • dDas Ultimatum an Serbien
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    B: Der Einmarsch deutscher Truppen in Belgien

    Beides am 4. August.

  6. 6. Wie unterscheidet sich laut Text die Sicht Christopher Clarks von der Fritz Fischers?

    • aClark gibt allein Deutschland die Schuld am Kriegsausbruch
    • bClark verteilt die Verantwortung auf mehrere Mächte
    • cClark bestreitet, dass der Krieg 1914 begann
    • dClark hält den Versailler Vertrag für richtig
    Lösung anzeigen

    B: Clark verteilt die Verantwortung auf mehrere Mächte

    Fischer betonte deutsche Kriegsziele, Clark die Beiträge mehrerer Mächte.

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