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TestAS · Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften

Soziologie: Übungs-Testlets für den TestAS

Soziale Strukturen, Gruppen und Begriffe wie Normen oder Ungleichheit, oft mit einer kurzen Studie zum Auswerten.

testas.de nennt dieses Thema für das Fachmodul Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften. Im Test kommt es als Testlet: ein kurzer Text, eine Tabelle oder Formel, danach 4 bis 8 Fragen, die du daraus beantwortest.

Themenliste: testas.de

Zwei Übungs-Testlets

Vollständige Testlets in Prüfungslänge aus dem Kollego-Kurs, erzeugt wie unsere Probetests. Antworte aus dem Material und öffne dann jede Lösung.

Testlet 1

Klasse, Schichtung und soziale Mobilität

Jede Gesellschaft verteilt Ressourcen wie Einkommen, Vermögen, Bildung, Macht und Ansehen ungleich. Soziale Schichtung beschreibt, wie Menschen nach ihrem Zugang zu diesen Ressourcen in Schichten angeordnet sind. Soziologen haben verschiedene Begriffe verwendet, um diese Schichten zu beschreiben. Marx bestimmte Klassen über ihr Verhältnis zu den Produktionsmitteln. Weber ergänzte, dass Stand, der auf Ansehen und Lebensstil beruht, und Macht, die in Parteien organisiert ist, unabhängig von der Klasse variieren können. Moderne Studien verwenden oft Berufsklassen, die Menschen nach der Art ihrer Arbeit sowie der damit verbundenen Sicherheit und Selbstständigkeit gruppieren.

Pierre Bourdieu argumentierte, dass Menschen verschiedene Arten von Kapital besitzen. Ökonomisches Kapital ist Geld und Besitz. Kulturelles Kapital umfasst Bildung, Wissen und kulturelle Kompetenz, etwa die Vertrautheit mit Literatur und Kunst, und wird zum Teil in Familien weitergegeben. Soziales Kapital besteht aus Beziehungsnetzen, die man für eigene Zwecke nutzen kann. Nach Bourdieu belohnt das Bildungssystem oft das kulturelle Kapital der Mittel- und Oberschicht und trägt so zur Reproduktion von Ungleichheit bei, während es scheinbar nur Leistung belohnt.

Soziale Mobilität ist die Bewegung von Einzelnen oder Gruppen zwischen Positionen. Intergenerationale Mobilität vergleicht die Position von Kindern mit der ihrer Eltern; intragenerationale Mobilität verfolgt Veränderungen innerhalb des eigenen Berufslebens. Mobilität kann aufwärts oder abwärts gerichtet sein. Soziologen unterscheiden außerdem die absolute Mobilität, den Anteil der Menschen, die in einer anderen Klasse als ihre Eltern landen, die stark von Veränderungen der Wirtschaftsstruktur beeinflusst wird, etwa vom Wachstum der Dienstleistungs- und akademischen Berufe, und die relative Mobilität, die die Chancen von Menschen unterschiedlicher Herkunft vergleicht, eine bestimmte Position zu erreichen. Eine Gesellschaft kann viel absolute Aufwärtsmobilität zeigen, während die relativen Chancen ungleich bleiben.

Studien zum Bildungserfolg in Deutschland haben wiederholt gezeigt, dass die Chancen auf ein Studium stark von der Bildung der Eltern abhängen.

Soziale Ungleichheit zeigt sich auch bei Gesundheit, Wohnen und politischer Beteiligung. Menschen mit höherem Einkommen und mehr Bildung leben im Durchschnitt länger, wohnen besser und wählen häufiger, sodass ihre Interessen in der Politik stärker vertreten sind.

Die Tabelle zeigt die Klassenposition von 1 000 Erwachsenen (erfundene Daten) nach der Klasse ihrer Eltern.

Klasse der Erwachsenen nach Klasse der Eltern (Anzahl Personen)
Klasse der ElternKinder: OberschichtKinder: MittelschichtKinder: ArbeiterschichtGesamt
Oberschicht1007030200
Mittelschicht80220100400
Arbeiterschicht40160200400
Gesamt2204503301 000
  1. 1. Welcher Anteil aller Erwachsenen ist in derselben Klasse wie seine Eltern?

    • a48 %
    • b33 %
    • c65 %
    • d52 %
    Lösung anzeigen

    D: 52 %

    (100 + 220 + 200) ÷ 1 000.

  2. 2. Wie viele Erwachsene sind aufgestiegen?

    • a520
    • b160
    • c200
    • d280
    Lösung anzeigen

    D: 280

    80 + 40 + 160.

  3. 3. Wie groß ist die Chance, dass ein Kind von Eltern der Oberschicht in der Oberschicht bleibt?

    • a45 %
    • b10 %
    • c22 %
    • d50 %
    Lösung anzeigen

    D: 50 %

    100 ÷ 200.

  4. 4. Wie groß ist die Chance, dass ein Kind von Eltern der Arbeiterschicht die Oberschicht erreicht?

    • a40 %
    • b4 %
    • c10 %
    • d18 %
    Lösung anzeigen

    C: 10 %

    40 ÷ 400.

  5. 5. Was zeigen die Antworten auf die letzten beiden Fragen über die relative Mobilität?

    • aRelative Mobilität lässt sich mit solchen Daten nicht messen
    • bDie Chancen, nach oben zu kommen, unterscheiden sich stark nach Herkunft
    • cKinder der Oberschicht steigen häufiger ab
    • dAlle Kinder haben die gleichen Chancen, nach oben zu kommen
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    B: Die Chancen, nach oben zu kommen, unterscheiden sich stark nach Herkunft

    50 % gegenüber 10 %.

  6. 6. Was ist nach Bourdieu kulturelles Kapital?

    • aEin hohes Monatsgehalt
    • bFreunde in einflussreichen Positionen
    • cVon den Großeltern geerbte Anteile an einem Familienunternehmen
    • dDie zu Hause erworbene Vertrautheit mit Literatur
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    D: Die zu Hause erworbene Vertrautheit mit Literatur

    Bildung und kulturelle Kompetenz.

Testlet 2

Familie, Bildung und Organisationen

Soziale Institutionen sind relativ stabile Muster von Regeln und Praktiken, die wichtige Bereiche des sozialen Lebens ordnen, etwa Familie, Bildung, Religion, Wirtschaft und Politik. Sie geben Orientierung und Verlässlichkeit, schränken aber auch Einzelne ein, und sie wandeln sich im Lauf der Zeit.

Die Familie ist ein deutliches Beispiel für institutionellen Wandel. In Deutschland und vielen anderen westlichen Gesellschaften herrschte in den 1950er- und 1960er-Jahren das Modell des verheirateten Paares mit Kindern vor, in dem der Ehemann das Einkommen verdiente und die Ehefrau den Haushalt führte. Seitdem sind die Formen des Familienlebens vielfältiger geworden: Menschen heiraten später und seltener, Scheidungen sind häufiger geworden, viele Kinder wachsen bei einem alleinerziehenden Elternteil oder in Patchworkfamilien auf, gleichgeschlechtliche Paare können heiraten, und die meisten Mütter sind erwerbstätig. Soziologen sprechen von einer Pluralisierung der Familienformen. Dennoch bleibt die Familie zentral für die Betreuung von Kindern und für emotionale Unterstützung.

Von der Bildung wird erwartet, allen Kindern gleiche Chancen zu geben und Positionen nach Leistung zu vergeben. Die Forschung zeigt jedoch, dass Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft abhängt. In Deutschland, wo Kinder in den meisten Ländern mit etwa zehn Jahren auf verschiedene weiterführende Schularten verteilt werden, wird die frühe Auslese kritisiert, weil sie diese Unterschiede verstärke, da Eltern mit mehr Bildung und Mitteln ihre Kinder zu diesem Zeitpunkt besser unterstützen können. Soziologen unterscheiden primäre Herkunftseffekte, also Leistungsunterschiede, von sekundären Herkunftseffekten, also unterschiedlichen Entscheidungen von Familien bei gleicher Leistung, etwa darüber, ob man das Gymnasium anstrebt.

Formale Organisationen wie Unternehmen, Krankenhäuser, Hochschulen und Behörden verfolgen bestimmte Ziele, haben eine klare Mitgliedschaft und strukturieren ihre Arbeit durch Regeln, Stellen und Hierarchien. Max Weber sah die Bürokratie als effizienteste Organisationsform, doch Kritiker verwiesen auf Starrheit und auf informelle Strukturen, die inoffiziellen Beziehungen und Normen, die sich neben dem offiziellen Organigramm entwickeln. Erving Goffman beschrieb totale Institutionen wie Gefängnisse, psychiatrische Kliniken und Internate, in denen alle Lebensbereiche an einem Ort unter einer Autorität stattfinden, abgeschnitten von der Außenwelt.

Situationen
FallBeschreibung
1Zwei Schüler haben dieselben Noten, aber nur der mit Eltern, die studiert haben, geht aufs Gymnasium.
2Ein Kind von Eltern mit wenig Bildung hat schlechtere Noten, weil es zu Hause keine Bücher gibt.
3Pflegekräfte auf einer Station tauschen informell Schichten, ohne der Leitung Bescheid zu geben.
4Rekruten in einem militärischen Ausbildungslager schlafen, essen und arbeiten unter strengen Regeln an einem Ort.
  1. 1. Welche Art von Effekt veranschaulicht Fall 1?

    • aEine totale Institution
    • bEine informelle Struktur
    • cEinen sekundären Herkunftseffekt
    • dEinen primären Herkunftseffekt
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    C: Einen sekundären Herkunftseffekt

    Gleiche Leistung, unterschiedliche Entscheidungen.

  2. 2. Welche Art von Effekt veranschaulicht Fall 2?

    • aLegal-rationale Herrschaft
    • bEinen primären Herkunftseffekt
    • cEinen sekundären Herkunftseffekt
    • dDie Pluralisierung der Familienformen
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    B: Einen primären Herkunftseffekt

    Die Herkunft wirkt auf die Leistung selbst.

  3. 3. Fall 3 ist ein Beispiel für …

    • aeine informelle Struktur in einer Organisation
    • beine totale Institution
    • cdie Pluralisierung der Familien
    • deinen primären Herkunftseffekt bei den Pflegekräften
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    A: eine informelle Struktur in einer Organisation

    Inoffizielle Praktiken neben formellen Regeln.

  4. 4. Welcher Begriff passt zu Fall 4?

    • aInformelle Struktur
    • bPluralisierung der Familienformen
    • cTotale Institution
    • dSekundäre Sozialisation in der Familie
    Lösung anzeigen

    C: Totale Institution

    Alle Lebensbereiche unter einer Autorität.

  5. 5. Warum wird die frühe Auslese in deutschen Schulen kritisiert?

    • aSie verschiebt Entscheidungen bis zum Alter von achtzehn
    • bSie wird in keinem anderen Land angewandt
    • cSie gibt allen Kindern bis achtzehn dieselbe Schulform
    • dSie kann Unterschiede nach sozialer Herkunft verstärken
    Lösung anzeigen

    D: Sie kann Unterschiede nach sozialer Herkunft verstärken

    Eltern mit mehr Mitteln können die Ergebnisse mit zehn Jahren beeinflussen.

  6. 6. Was bedeutet „Pluralisierung der Familienformen“?

    • aDas Familienleben ist vielfältiger geworden
    • bDie Ehe ist verpflichtend geworden
    • cFamilien haben alle ihre Funktionen verloren
    • dFamilien sind größer geworden
    Lösung anzeigen

    A: Das Familienleben ist vielfältiger geworden

    Vielfältigere Formen bestehen nebeneinander.

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