TestAS · Medizin
Gesundheitsverhalten, Kommunikation zwischen Arzt und Patient, Ethik und die Zahlen hinter Risiko, Diagnosetests und Studien.
testas.de nennt dieses Thema für das Fachmodul Medizin. Im Test kommt es als Testlet: ein kurzer Text, eine Tabelle oder Formel, danach 4 bis 8 Fragen, die du daraus beantwortest.
Themenliste: testas.de
Vollständige Testlets in Prüfungslänge aus dem Kollego-Kurs, erzeugt wie unsere Probetests. Antworte aus dem Material und öffne dann jede Lösung.
Schlechte Nachrichten überbringen und gemeinsam entscheiden
Wenige Aufgaben in der Medizin sind so anspruchsvoll wie die Mitteilung einer schweren Diagnose. Wie eine schlechte Nachricht überbracht wird, beeinflusst, wie gut Patienten ihre Lage verstehen, wie sehr sie ihrem Arzt vertrauen, wie sie seelisch damit umgehen und sogar, welche Behandlung sie wählen. Deshalb wurden strukturierte Vorgehensweisen entwickelt. Eine der bekanntesten ist das SPIKES-Protokoll, das das Gespräch in sechs Schritte gliedert.
S steht für Setting: Das Gespräch findet in einem ruhigen, privaten Raum statt, ohne Unterbrechungen, mit genug Zeit und, wenn der Patient es wünscht, mit einem Angehörigen. P steht für Perception (Wahrnehmung): Bevor der Arzt informiert, fragt er, was der Patient bereits weiß oder vermutet, etwa „Was wurde Ihnen bisher über die Untersuchungen gesagt?“. I steht für Invitation (Einladung): Der Arzt klärt, wie viel der Patient wissen möchte, denn manche Patienten wollen jedes Detail, andere nur das Wichtigste. K steht für Knowledge (Wissen): Der Arzt gibt die Information in kleinen Portionen und in einfacher Sprache, oft eingeleitet durch einen Warnschuss wie „Leider sind die Ergebnisse nicht so gut, wie wir gehofft hatten“. E steht für Emotions (Gefühle): Der Arzt erkennt die Reaktion des Patienten, benennt sie und antwortet einfühlsam, etwa indem er innehält und sagt „Ich sehe, dass das ein Schock für Sie ist“. S steht für Strategy and Summary (Planung und Zusammenfassung): Die nächsten Schritte werden gemeinsam geplant und die wichtigsten Punkte zusammengefasst.
Nach einer schlechten Nachricht behalten Patienten typischerweise nur einen kleinen Teil des Gesagten, weil starke Gefühle Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinträchtigen. Schriftliche Zusammenfassungen und ein zweiter Termin sind daher hilfreich.
Entscheidungen über die Behandlung folgen zunehmend dem Modell der partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making). Der Arzt bringt Wissen über die Möglichkeiten, ihren Nutzen und ihre Risiken sowie die Studienlage ein. Der Patient bringt Wissen über seine Werte, Vorlieben und Lebensumstände ein. Die Entscheidung wird gemeinsam getroffen. Dieses Modell unterscheidet sich vom paternalistischen Modell, bei dem der Arzt für den Patienten entscheidet, und vom informativen Modell, bei dem der Arzt Fakten aufzählt und die Wahl ganz dem Patienten überlässt. Partizipative Entscheidungsfindung eignet sich besonders, wenn mehrere vertretbare Möglichkeiten bestehen und die beste Wahl davon abhängt, was dem Patienten wichtig ist. Entscheidungshilfen, etwa Broschüren, die Möglichkeiten mit Zahlen und Bildern vergleichen, unterstützen diesen Prozess.
| Nr. | Aussage |
|---|---|
| 1 | Bevor ich die Ergebnisse durchgehe: Was wissen Sie schon darüber, warum wir die Biopsie gemacht haben? |
| 2 | Ich sehe, dass das sehr schwer zu hören ist. Nehmen Sie sich Zeit. |
| 3 | Möchten Sie, dass ich alle Einzelheiten durchgehe, oder soll ich mich auf das Weitere konzentrieren? |
| 4 | Es gibt zwei Möglichkeiten, Operation oder Bestrahlung. Was ist Ihnen bei der Entscheidung am wichtigsten? |
1. Für welchen SPIKES-Schritt steht Aussage 1?
A: Perception (Wahrnehmung)
Perception heißt: „Bevor der Arzt informiert, fragt er, was der Patient bereits weiß oder vermutet.“ Aussage 1 fragt vor dem Besprechen der Ergebnisse, was der Patient schon weiß: Perception.
2. Welchem Schritt entspricht Aussage 3?
B: Invitation (Einladung)
Invitation heißt: „Der Arzt klärt, wie viel der Patient wissen möchte, denn manche Patienten wollen jedes Detail, andere nur das Wichtigste.“ Aussage 3 bietet alle Einzelheiten oder nur das Weitere an: Invitation.
3. Aussage 2 ist ein Beispiel für…
D: eine einfühlsame Antwort auf Gefühle
Im Schritt Emotions „erkennt der Arzt die Reaktion des Patienten, benennt sie und antwortet einfühlsam, etwa indem er innehält“. „Das ist sehr schwer zu hören. Nehmen Sie sich Zeit“ benennt die Reaktion und lässt eine Pause: eine einfühlsame Antwort.
4. Welches Entscheidungsmodell spiegelt Aussage 4?
C: Partizipative Entscheidungsfindung
Bei der partizipativen Entscheidungsfindung bringt der Arzt die Möglichkeiten ein und der Patient „seine Werte, Vorlieben und Lebensumstände“, und sie entscheiden gemeinsam. Aussage 4 nennt zwei Möglichkeiten und fragt, was dem Patienten am wichtigsten ist: partizipativ.
5. Warum empfiehlt der Text schriftliche Zusammenfassungen nach schlechten Nachrichten?
C: Starke Gefühle beeinträchtigen Aufmerksamkeit und Gedächtnis
Laut Text behalten Patienten nach einer schlechten Nachricht „nur einen kleinen Teil des Gesagten, weil starke Gefühle Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinträchtigen“. Eine schriftliche Zusammenfassung lässt sie nachlesen, was sie nicht aufgenommen haben.
6. In welcher Situation eignet sich partizipative Entscheidungsfindung besonders?
C: Wenn mehrere vertretbare Möglichkeiten von den Werten des Patienten abhängen
Laut Text „eignet sich partizipative Entscheidungsfindung besonders, wenn mehrere vertretbare Möglichkeiten bestehen und die beste Wahl davon abhängt, was dem Patienten wichtig ist“. Ein Notfall mit einer Behandlung oder ein bewusstloser Patient lassen nichts gemeinsam zu entscheiden.
Gesundheitskompetenz und Zugang zur Versorgung
Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um Entscheidungen über die eigene Gesundheit zu treffen. Dazu gehört, einen Beipackzettel zu lesen, die Erklärung eines Arztes zu verstehen, Formulare auszufüllen, zu beurteilen, ob Informationen im Internet vertrauenswürdig sind, und zu wissen, wohin man sich mit welchem Problem wendet. In einer großen europäischen Erhebung zeigte fast die Hälfte der Erwachsenen eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz, mit großen Unterschieden zwischen und innerhalb der Länder. Gesundheitskompetenz ist nicht dasselbe wie allgemeine Lesefähigkeit, auch wenn beide zusammenhängen.
Eingeschränkte Gesundheitskompetenz ist nicht gleich verteilt. Sie ist häufiger bei älteren Menschen, bei Menschen mit wenig formaler Bildung, mit niedrigem Einkommen und bei Menschen, die eingewandert sind und die Landessprache noch nicht gut sprechen. Sie ist daher einer der Wege, über die soziale Ungleichheit zu gesundheitlicher Ungleichheit wird. Studien verbinden eingeschränkte Gesundheitskompetenz mit weniger Vorsorgeuntersuchungen, mehr Fehlern bei der Medikamenteneinnahme, mehr Besuchen in der Notaufnahme und mehr Krankenhausaufnahmen sowie mit höherer Sterblichkeit bei älteren Menschen.
Der Zugang zur Versorgung hängt auch von Faktoren außerhalb des Einzelnen ab. Geographischer Zugang betrifft die Entfernung zur nächsten Praxis oder zum nächsten Krankenhaus, ein Problem in vielen ländlichen Gegenden. Finanzieller Zugang betrifft Kosten wie Zuzahlungen oder Leistungen, die die Versicherung nicht übernimmt. Organisatorischer Zugang betrifft Öffnungszeiten, Wartezeiten und die Komplexität des Gesundheitssystems. Kultureller und sprachlicher Zugang betrifft, ob Angebote in einer Sprache und auf eine Weise gemacht werden, die Patienten verstehen und der sie vertrauen. Selbst in Ländern mit allgemeiner Krankenversicherung führen diese Barrieren zu ungleicher Nutzung: Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status gehen etwa gleich oft zum Hausarzt wie andere, nutzen aber Fachärzte und Vorsorgeangebote seltener.
Gesundheitsfachleute können die Folgen eingeschränkter Gesundheitskompetenz verringern. Empfohlen werden einfache Sprache ohne Fachjargon, wenige Kernbotschaften pro Gespräch, Bilder und die Überprüfung des Verständnisses mit der Teach-back-Methode, bei der der Patient die Anweisungen in eigenen Worten erklärt. Professionelle Dolmetscher, vor Ort, am Telefon oder per Video, sollten statt Angehöriger eingesetzt werden, besonders statt Kindern, weil Angehörige Informationen weglassen oder verändern können und weil Patienten vor ihnen womöglich nicht offen sprechen.
| Gruppe | Anteil |
|---|---|
| Alle Erwachsenen | 46% |
| 65 Jahre und älter | 58% |
| Niedrige formale Bildung | 62% |
| Hochschulabschluss | 31% |
1. Welche Tätigkeit gehört nach der Definition im Text zur Gesundheitskompetenz?
A: Beurteilen, ob Gesundheitsinformationen im Internet vertrauenswürdig sind
Der Text zählt auf, was zur Gesundheitskompetenz gehört, darunter „zu beurteilen, ob Informationen im Internet vertrauenswürdig sind“. Beitrag zahlen, nahe am Krankenhaus wohnen oder untersucht werden betreffen nicht den Umgang mit Gesundheitsinformationen.
2. Um wie viele Prozentpunkte unterscheidet sich der Anteil mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz zwischen Menschen mit niedriger formaler Bildung und Hochschulabsolventen?
D: 31 Prozentpunkte
Tabelle: niedrige formale Bildung 62%, Hochschulabschluss 31%. 62 − 31 = 31 Prozentpunkte. („Um das Zweifache“ ist ein Verhältnis, keine Prozentpunkte.)
3. Lange Wege zur nächsten Praxis sind eine Barriere welcher Art?
C: Geographischer Zugang
Laut Text „betrifft geographischer Zugang die Entfernung zur nächsten Praxis oder zum nächsten Krankenhaus“. Lange Wege betreffen die Entfernung, also den geographischen Zugang.
4. Was ist die Teach-back-Methode?
D: Der Patient erklärt die Anweisungen in eigenen Worten
Der Text beschreibt Teach-back als Methode, „bei der der Patient die Anweisungen in eigenen Worten erklärt“. Die Erklärung zu wiederholen oder den Beipackzettel vorzulesen, zeigt nicht, ob der Patient verstanden hat.
5. Warum sollten professionelle Dolmetscher statt der Kinder des Patienten eingesetzt werden?
B: Angehörige können Informationen verändern, und Patienten sprechen womöglich nicht offen
Laut Text sollten Dolmetscher statt Angehöriger, besonders statt Kindern, eingesetzt werden, „weil Angehörige Informationen weglassen oder verändern können und weil Patienten vor ihnen womöglich nicht offen sprechen“.
6. Wie unterscheidet sich laut Text die Nutzung von Angeboten nach sozioökonomischem Status in Ländern mit allgemeiner Versicherung?
B: Fachärzte und Vorsorge werden von Ärmeren seltener genutzt
Laut Text „gehen Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status etwa gleich oft zum Hausarzt wie andere, nutzen aber Fachärzte und Vorsorgeangebote seltener“. Die Hausarztnutzung ist also ähnlich, Fachärzte und Vorsorge werden seltener genutzt.
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