TestAS · Lebenswissenschaften
Wahrnehmung, Lernen, Entwicklung und wie psychologische Experimente aufgebaut sind.
testas.de nennt dieses Thema für das Fachmodul Lebenswissenschaften. Im Test kommt es als Testlet: ein kurzer Text, eine Tabelle oder Formel, danach 4 bis 8 Fragen, die du daraus beantwortest.
Themenliste: testas.de
Vollständige Testlets in Prüfungslänge aus dem Kollego-Kurs, erzeugt wie unsere Probetests. Antworte aus dem Material und öffne dann jede Lösung.
Heuristiken und Verzerrungen im Urteil
Menschen müssen ständig unter Unsicherheit urteilen, oft schnell und mit unvollständigen Informationen. Statt Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, verwenden sie Heuristiken, gedankliche Abkürzungen, die meist gut genug funktionieren, in bestimmten Situationen aber zu systematischen Fehlern führen. Die Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman untersuchten diese Heuristiken ab den 1970er-Jahren; Kahneman erhielt 2002 den Wirtschaftsnobelpreis, teilweise für diese Arbeit.
Die Verfügbarkeitsheuristik beurteilt die Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses danach, wie leicht einem Beispiele einfallen. Ereignisse, die dramatisch, kürzlich geschehen oder häufig in den Medien sind, werden leicht erinnert und daher überschätzt. Nach einem viel berichteten Flugzeugabsturz überschätzen viele Menschen die Gefahr des Fliegens, obwohl eine Autofahrt über dieselbe Strecke weit gefährlicher ist.
Die Repräsentativitätsheuristik beurteilt die Wahrscheinlichkeit, dass etwas zu einer Kategorie gehört, danach, wie ähnlich es einem typischen Mitglied dieser Kategorie ist, und vernachlässigt dabei Basisraten, die Gesamthäufigkeit der Kategorien. Hört man, dass ein ruhiger Mensch Ordnung und Details liebt, tippt man eher auf einen Bibliothekar als auf einen Verkäufer, obwohl es viel mehr Verkäufer als Bibliothekare gibt.
Ankerung beschreibt die Neigung, dass eine anfängliche Zahl, auch eine irrelevante, spätere Schätzungen beeinflusst. In einem klassischen Experiment drehten Teilnehmende zunächst ein Glücksrad, das bei 10 oder 65 stehen blieb, und schätzten dann den Anteil afrikanischer Staaten in den Vereinten Nationen; wer 65 gesehen hatte, schätzte viel höher. Ankerung beeinflusst Preisverhandlungen, bei denen das erste Angebot die Einigung prägt, und juristische Urteile.
Framing-Effekte zeigen, dass Entscheidungen davon abhängen, wie Möglichkeiten beschrieben werden, selbst wenn die Ergebnisse identisch sind. Menschen bevorzugen eine Behandlung mit einer Überlebensrate von 90 Prozent gegenüber einer mit einer Sterberate von 10 Prozent. Mit dem Framing verwandt ist die Verlustaversion: Verluste wiegen etwa doppelt so schwer wie gleich große Gewinne, was erklärt, warum Menschen faire Wetten oft ablehnen und an verlustreichen Anlagen festhalten.
Das Wissen um diese Verzerrungen macht nicht immun gegen sie, doch strukturierte Vorgehensweisen, etwa Basisraten ausdrücklich zu berücksichtigen, gezielt nach widersprechenden Belegen zu suchen und Checklisten zu nutzen, können ihren Einfluss verringern.
| Nr. | Situation |
|---|---|
| 1 | Nach Berichten über mehrere Haiangriffe gehen die Strandbesuche stark zurück, obwohl Angriffe äußerst selten bleiben. |
| 2 | Ein Verkäufer verlangt 900 Euro für ein gebrauchtes Fahrrad; der Käufer, der 300 zahlen wollte, zahlt schließlich 600. |
| 3 | Ein Joghurt mit der Aufschrift „90% fettfrei“ verkauft sich besser als derselbe Joghurt mit „enthält 10% Fett“. |
| 4 | Ein Anleger weigert sich, Aktien zu verkaufen, die an Wert verloren haben, um den Verlust nicht realisieren zu müssen. |
1. Welche Heuristik erklärt Situation 1 am besten?
B: Verfügbarkeit
Laut Text schätzt die Verfügbarkeitsheuristik Häufigkeit danach, wie leicht einem Beispiele einfallen, und viel berichtete Ereignisse werden überschätzt. Berichte über Haiangriffe lassen sie häufig wirken.
2. Welcher Effekt zeigt sich in Situation 2?
B: Ankerung
Laut Text beeinflusst bei der Ankerung eine erste Zahl spätere Schätzungen, etwa bei Preisverhandlungen. Die 900 Euro zogen den Preis von geplanten 300 auf 600.
3. Situation 3 ist ein Beispiel für…
D: einen Framing-Effekt
Laut Text hängen Entscheidungen beim Framing davon ab, wie Optionen beschrieben werden, obwohl die Ergebnisse gleich sind. „90 % fettfrei“ und „enthält 10 % Fett“ beschreiben denselben Joghurt.
4. Welches Konzept erklärt Situation 4?
C: Verlustaversion
Laut Text wiegen Verluste etwa doppelt so schwer wie gleich große Gewinne (Verlustaversion); deshalb halten Menschen an Verlustaktien fest.
5. Was vernachlässigt die Repräsentativitätsheuristik typischerweise?
D: Die Basisraten der Kategorien
Laut Text urteilt die Repräsentativitätsheuristik nach Ähnlichkeit mit einem typischen Mitglied und vernachlässigt dabei die Basisraten, die Gesamthäufigkeit der Kategorien.
6. Was hilft laut Text, den Einfluss dieser Verzerrungen zu verringern?
B: Strukturierte Vorgehensweisen, etwa Basisraten ausdrücklich zu berücksichtigen
Laut Text macht das Wissen um die Verzerrungen nicht immun, aber strukturierte Verfahren, etwa Basisraten ausdrücklich zu beachten, können ihren Einfluss verringern.
Wie Verhalten gelernt wird
Lernen ist eine relativ dauerhafte Veränderung von Verhalten oder Wissen, die auf Erfahrung beruht. Die Verhaltenspsychologie beschreibt zwei Grundformen des assoziativen Lernens.
Bei der klassischen Konditionierung, zuerst systematisch von Iwan Pawlow untersucht, lernt ein Organismus, zwei Reize zu verknüpfen. Hunde speicheln natürlicherweise, wenn Futter in ihr Maul gelangt: Futter ist ein unbedingter Reiz (UCS), der Speichelfluss eine unbedingte Reaktion (UCR). Wird ein neutraler Reiz wie eine Glocke wiederholt kurz vor dem Futter dargeboten, beginnen die Hunde allein auf die Glocke hin zu speicheln. Die Glocke ist zum bedingten Reiz (CS) geworden, der Speichelfluss auf sie zur bedingten Reaktion (CR). Wird die Glocke dann wiederholt ohne Futter dargeboten, schwächt sich die bedingte Reaktion ab und verschwindet; das heißt Löschung (Extinktion). Die klassische Konditionierung hilft, Ängste und Phobien sowie Geschmacksaversionen nach Lebensmittelvergiftungen zu erklären.
Bei der operanten Konditionierung, beschrieben von B. F. Skinner, verändert sich Verhalten durch seine Folgen. Verstärkung macht ein Verhalten wahrscheinlicher. Positive Verstärkung fügt etwas Angenehmes hinzu, etwa Lob oder Geld; negative Verstärkung entfernt etwas Unangenehmes, etwa Kopfschmerzen, die nach einer Tablette aufhören. Bestrafung macht ein Verhalten unwahrscheinlicher, entweder indem etwas Unangenehmes hinzugefügt oder etwas Angenehmes entfernt wird. Negative Verstärkung wird oft mit Bestrafung verwechselt, erhöht aber Verhalten, statt es zu verringern.
Der Zeitpunkt der Verstärkung spielt eine Rolle. Kontinuierliche Verstärkung nach jeder Reaktion führt zu schnellem Lernen, aber auch zu schneller Löschung, wenn die Verstärkung ausbleibt. Intermittierende Verstärkung braucht länger, ist aber löschungsresistenter. Verstärkung nach einer unvorhersehbaren Zahl von Reaktionen, ein variabler Quotenplan, erzeugt besonders hartnäckiges Verhalten; Spielautomaten nutzen ihn.
Albert Bandura zeigte, dass Menschen auch durch Beobachtung anderer lernen, ohne selbst verstärkt zu werden. In seinen Experimenten ahmten Kinder, die gesehen hatten, wie ein Erwachsener eine aufblasbare Puppe schlug, dieses Verhalten später nach, besonders wenn der Erwachsene dafür belohnt worden war. Das Lernen am Modell erklärt, wie viele Fertigkeiten und soziale Verhaltensweisen erworben werden.
Die Motivation beeinflusst, ob gelerntes Verhalten gezeigt wird. Nach dem Yerkes-Dodson-Gesetz steigt die Leistung mit der Erregung bis zu einem optimalen Niveau und sinkt, wenn die Erregung zu hoch wird, und das optimale Niveau ist bei schwierigen Aufgaben niedriger als bei leichten.
| Fall | Beschreibung |
|---|---|
| 1 | Nach einer Lebensmittelvergiftung durch Muscheln wird einer Studentin beim Geruch von Muscheln übel. |
| 2 | Ein Kind räumt sein Zimmer öfter auf, nachdem es jedes Mal zusätzliches Taschengeld bekommt. |
| 3 | Ein Fahrer schnallt sich an, damit das Warnpiepen des Autos aufhört. |
| 4 | Ein Jugendlicher benutzt eine Redewendung, nachdem er gesehen hat, wie ein beliebter Mitschüler dafür gelobt wurde. |
1. Im Fall 1 ist der Geruch von Muscheln …
C: der bedingte Reiz
Laut Text ist ein neutraler Reiz, der nach der Kopplung allein die Reaktion auslöst, der CS. Der Muschelgeruch war vorher neutral und löst nach der Kopplung mit der Vergiftung Übelkeit aus.
2. Fall 2 ist ein Beispiel für …
B: positive Verstärkung
Laut Text fügt positive Verstärkung etwas Angenehmes hinzu, etwa Geld, und macht das Verhalten wahrscheinlicher. Taschengeld kommt hinzu, und das Aufräumen nimmt zu.
3. Fall 3 ist ein Beispiel für …
D: negative Verstärkung
Laut Text entfernt negative Verstärkung etwas Unangenehmes und verstärkt das Verhalten. Das Piepen hört mit dem Gurt auf, also wird der Gurt öfter angelegt.
4. Welche Lernform erklärt Fall 4 am besten?
D: Lernen am Modell
Laut Text zeigte Bandura, dass Menschen durch Beobachtung lernen, besonders wenn das Modell belohnt wird. Der Jugendliche ahmt einen gelobten Mitschüler nach, ohne selbst belohnt zu werden.
5. Welcher Verstärkungsplan macht ein Verhalten am löschungsresistentesten?
B: Ein variabler Quotenplan
Laut Text erzeugt Verstärkung nach einer unvorhersehbaren Zahl von Reaktionen, ein variabler Quotenplan, besonders beständiges Verhalten. Kontinuierliche Verstärkung wird am schnellsten gelöscht.
6. Was gilt nach dem Yerkes-Dodson-Gesetz für eine sehr schwierige Prüfung?
A: Die Leistung ist bei relativ niedriger Erregung am besten
Laut Yerkes-Dodson-Gesetz ist das optimale Erregungsniveau bei schwierigen Aufgaben niedriger. Eine sehr schwere Prüfung gelingt also am besten bei relativ niedriger Erregung.
Leitfaden zum Fachmodul Lebenswissenschaften
Ein Einstufungstest, eine Punkteprognose und deine erste Lerneinheit. Keine Kreditkarte, kostenlos ohne Zeitlimit.
Kostenlos starten, ohne Kreditkarte